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DrWo
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| 04.02.2009 13:40: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland
- oder -
Die Rezession heute und morgen
(1999-2003)
1. Einführung
Unsere deutsche Wirtschaft ist nicht gerade gesund. Niemand würde das angesichts der vielen Arbeitslosen, der Schwierigkeiten bei den Renten- und Krankenkassen und angesichts der stets wachsenden Staatsverschuldung ernsthaft bestreiten. Neuerdings ist sogar von Rezession die Rede, obwohl noch Anfang 2000 Optimismus und Euphorie den Zeitgeist bestimmten. Doch die “Ärzte” streiten endlos, um welche “Krankheit” es sich handelt und - noch mehr - wie sie zu behandeln ist. Das, was derzeit von der Politik als Lösungen angeboten wird, ist allerdings bestenfalls symptomatische Behandlung (Umverteilung mittels Steuererhebung, Subventionen, Kindergeld usw.), aber keine Heilung. Hat unsere Wirtschaftsverfassung, also das rechtliche Rahmengebäude unserer Wirtschaft, einen Fehler?
2. Die Krankheit unserer Wirtschaftsverfassung
Sie ist eine schleichende Krankheit. Sie vollzieht sich sehr langsam - über Jahrzehnte. Daher fällt es schwer, die Ursachen und Wirkungen zu erkennen. Die Krankheit, an der unsere Wirtschaftsverfassung leidet, ist der “moderne Feudalismus”.
Unsere Rechtsordnung lässt es zu, dass ein in Deutschland “als Deutscher” geborener Mensch sein Leben lang dazu verdammt sein kann, für den Fleck Erde, auf dem er lebt, an einen anderen “bezahlen” zu müssen. Miete oder Pacht nennt man das, und man findet nichts Ungewöhnliches dabei. Ein Bild in meinem Kopf aber beunruhigt mich. Es gibt in Deutschland eine ungeheure Zahl Menschen am Ende ihres Arbeitslebens, die viel und hart gearbeitet haben, die es aber trotzdem nicht geschafft haben, sich von einem Mietverhältnis für ihre Wohnung zu befreien, um statt dessen in einem eigenen Haus mietfrei zu leben. Diese Menschen in einem freien und noch unberührten Land (auf einer “einsamen Insel”) würden, wenn sie dort genauso arbeiten würden wie hier, schon nach wenigen Wochen oder Monaten ein eigenes Haus besitzen. Sie hätten ihr Leben lang (per Saldo) sicher auch nicht weniger Komfort als hier und heute. Denken wir auch an die Rentendiskussion! Ein Großteil der Altersrenten wird heute von Mieten aufgezehrt. Das gleiche gilt für alle Selbständigen, die für ihre Geschäftsräume Miete oder Pacht zahlen müssen, weil sie kein Grundeigentum besitzen, und für alle, die zwar Grundeigentum erworben haben, aber nur mit geliehenem, verzinslichem Geld.
Unsere Rechtsordnung lässt weiter zu, dass Privatpersonen in unserem Land schrankenlos Vermögen (“Kapital”) erwerben und ansammeln. Auch das erscheint uns nicht weiter problematisch. Wer strebt nicht danach, sich ein “kleines Vermögen” anzusparen?!!
Doch beide Aspekte unserer Rechtsordnung zusammen ergeben auf Dauer eine explosive Mischung. Explosiv wird es nämlich dann, wenn die Vermögen von einzelnen so übermächtig werden, dass sie einerseits die Entwicklungsmöglichkeiten anderer unverhältnismäßig einschränken und dass sie andererseits ihren Besitzern Einkommen bescheren, die die Einkommen aus Arbeit von anderen völlig in den Schatten stellen.
Hierzu muss man wissen, dass ein großes Vermögen normalerweise nicht kleiner, sondern ohne Zutun (ohne Erwerbsarbeit) immer größer wird. Es wird nicht, wie vielfach angenommen wird, von seinem Besitzer allmählich aufgezehrt. Viele Leute haben diesbezüglich falsche Vorstellungen. Sie meinen, dass man nur durch eigene Arbeit und vielleicht durch geschickte Spekulation mit Aktien und dergleichen reich werden kann, dass aber “Ersparnisse” nach und nach kleiner werden, es sei denn, dass man sie nicht anrührt. So meinen sie etwa bei der Vorstellung, im Lotto zu gewinnen, dass sie den Gewinn in der einen oder anderen Weise langsam aufzehren. Ebenso gehe es allen anderen Reichtümern und ihren Besitzern, falls diese nicht ständig durch ihren Fleiß zur Aufbesserung ihres Vermögens beitrügen. Dass solche Vermögen aber selbst erhebliche Einkommen bescheren und dadurch ihre Besitzer immer reicher machen, ist den wenigsten Leuten klar.
Wenn jemand beispielsweise ein Vermögen von 102 Millionen Euro Wert besitzt, dann nutzt er davon vielleicht einen Anteil von 2 Millionen Euro völlig für sich selbst (das Haus oder die Villa, in der er wohnt). Die übrigen 100 Millionen Euro sind möglichst gewinnbringend angelegt in Aktien, Anleihen, Mietshäuser usw. Die Renditen hierfür liegen normalerweise bei 5% bis 10% jährlich, manchmal mehr, manchmal weniger. Das sind also rund 5 Millionen bis 10 Millionen Euro Einkünfte jährlich allein aufgrund des Vermögens. Welche Kapitaleinkünfte in Deutschland tatsächlich vorkommen, lesen sie bitte unter “Personen” (im Anhang dieser Studie) oder “Die Stundenlöhne der 300 reichsten Deutschen” (http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne.htm). Ob derjenige noch einem Beruf als Würstchenverkäufer oder als Industriemanager oder gar keiner Arbeit nachgeht, fällt dabei nicht mehr ins Gewicht.
Problematisch wird die Vermögensansammlung in wenigen privaten Händen durch zweierlei Dinge: (1.) Durch die Begrenztheit der Ressourcen und (2.) durch die ungleichen Chancen beim Erwerb gewinnbringenden Kapitals.
Mehr unter http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/meudalismus.htm#2.1 |
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AlexRE (M+)
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| 04.02.2009 15:41: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Wie ich bereits in meinem Willkommensgruss an Sie:
http://35828.forendienst.de/show_messages.php?mid=4588822&page=2
geschrieben habe, sind unsere verfassungsrechtlichen Ziele mit der politischen Arbeit gegen den Neofeudalismus inhaltlich verbunden.
Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dem "Nil in der Wüste" nur mit einer Instandsetzung des Grundgesetzes begegnet werden kann, die gegenwärtige grundgesetzwidrige Machtverteilung und der volkswirtschaftliche Verteilungszustand können nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Ohne die Vervollkommnung der Gewaltenteilung wird unser Netzwerk gegen eine Mauer aus grundgesetzwidriger gesellschaftlicher Vermachtung laufen.
Die Gewinner des freien Wettbewerbs der Vergangenheit haben ein natürliches Interesse daran, den freien Wettbewerb in der Gegenwart und in der Zukunft zu unterdrücken. Sie sind ja schon Gewinner, Konkurrenz von unten ist eine loose/loose - Situation für sie. Derzeit haben sie die tatsächliche gesellschaftliche Macht, ihre Gewinnerpostition festzuschreiben und zu vererben. Also tun sie es. Erst wenn eine perfekte Gewaltenteilung und das strikte Verbot der gleichzeitigen Wahrnehmung von politischen Mandaten und Funktionen in der Wirtschaft auf grundgesetzlicher Ebene erreicht sind, wird eine Behebung des Krankheitssymptoms Neofeudalismus möglich sein. Der Krankheitsherd sind die Schwächen des Grundgesetzes, die mangelnde Autorität der wichtigsten Verfassungspostulate, insbesondere der des Artikel 20.
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DrWo
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| 04.02.2009 16:04: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Ich habe nichts dagegen, gleichzeitig die Durchsetzung der Verfassung zu verfolgen. Nur eine Reihenfolge - erst das, dann das - halte ich für nicht notwendig.
Das Problem der Meudalismus-Bekämpfung sehe ich auch weniger mit der Verfassung zu lösen. Denn die muss letztlich auch erst von Politikern geändert bzw. durchgesetzt werden. Das Problem sehe ich bei den Politikern selbst, insbesondere bei jenen, die das Problem nicht einmal ansatzweise erkannt haben. Politiker, die das Postulat Ludwig Erhards http://www.kiwifo.de/html/auftrag.htm#ludwigerhard jahrzehntelang ins Gegenteil gekehrt hatten, sind das wahre Problem. Sie gilt es auszuklären und notfalls auszutauschen!
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AlexRE (M+)
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| 04.02.2009 16:54: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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DrWo schrieb:
Ich habe nichts dagegen, gleichzeitig die Durchsetzung der Verfassung zu verfolgen. Nur eine Reihenfolge - erst das, dann das - halte ich für nicht notwendig.
Das Problem der Meudalismus-Bekämpfung sehe ich auch weniger mit der Verfassung zu lösen. Denn die muss letztlich auch erst von Politikern geändert bzw. durchgesetzt werden. Das Problem sehe ich bei den Politikern selbst, insbesondere bei jenen, die das Problem nicht einmal ansatzweise erkannt haben. Politiker, die das Postulat Ludwig Erhards http://www.kiwifo.de/html/auftrag.htm#ludwigerhard jahrzehntelang ins Gegenteil gekehrt hatten, sind das wahre Problem. Sie gilt es auszuklären und notfalls auszutauschen!
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Eine gleichmäßige Vermögensverteilung war in der Frühzeit der Bundesrepublik als Zielsetzung in allen Parteiprogrammen aufgeführt, auch in denen der bürgerlichen Parteien. Der "Wohlstand für alle" nach Ludwig Erhard ist praktisch die Geschäftsgrundlage für den sozialen Frieden in Deutschland gewesen. Das Sozialstaatsprinzip ist mit dem Artikel 20 in Artikel 79 Abs. 3 GG als ewiges Grundrecht aufgeführt, während der Artikel 14 unter Gesetzesvorbehalt steht.
Wenn die Politik so weit von ihren klar im Grundgesetz beschriebenen Pflichten abweichen kann, ohne dass dem wirksam begegnet wird, funktioniert das Grundgesetz einfach nicht richtig.
Dass es nur von Politikern instandgesetzt werden kann, ist mir schon klar. Deshalb haben wir ja mit der Idee einer Parteigründung angefangen, die vorläufig zu Gunsten des Versuches eines Bündnisses bereits bestehender Kleinparteien zurückgestellt wird.
Wenn die Forderung nach Instandsetzung und Stabilisierung des Grundgesetzes auch nur von einer mit knapp über 5 % der Stimmen ins Parlament gekommenen Partei bzw. Wählergemeinschaft auf den Tisch gelegt wird, dann bewirkt das Druck in dem (dann) 6 - Parteien - Parlament, es wird Probleme mit der Bildung von Regierungskoalitionen geben. Da sie die neue politische Kraft schnell wieder loswerden, wenn sie der Stabilisierung des Grundgesetzes zustimmen, würde das vielleicht schon reichen, zum Ziel zu kommen. Auf jeden Fall wäre es eine interessante politische Entwicklung.
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| 04.02.2009 23:50: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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@alle
das Buch von Dr. Wozniewski ist wirklich lesenswert, auf seiner Homepage sind Leseproben veröffentlicht.

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| 05.02.2009 23:48: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Hier das Ganze noch einmal in Form eines Defiliermarsches beschrieben :
http://www.freitag.de/2004/40/04400601.php
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| 16.02.2009 19:48: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Das Thema dieses threads wird derzeit auch auf dem Forum der AMP besprochen:
http://www.aufbruch-mittelstand-partei.de/forum/index.htm
Ich habe dort einen Nick - Namen: "GG146", so wie auf dem Forum "politik.de"
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| 04.03.2009 23:55: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Hier noch ein lesenswerter Text von Dr. Wozniewskis zweiter Internetseite
http://www.kiwifo.de/html/60_jahre.htm
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60 Jahre Währungsreform - 60 Jahre Geldmengenwachstum
19.06.2008 1. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viel Geld Sie in diesem Moment haben müssten, wenn Sie eine (für Deutschland) mittlere Geldmenge besitzen wollten? Gerade die Diskussionen um das Schwinden der Mittelschicht fordert diese Frage heraus. Denn wer Mittelschicht sein will, so lässt sich behaupten, der muss (u. a.) eine mittlere Kaufkraft, also eine mittlere Menge Geld besitzen.
Wie hoch ist nun aber eine mittlere Kaufkraft bzw. Geldmenge? Die Deutsche Bundesbank weiß ziemlich genau, wie viel Geld in Deutschland vorhanden ist. Sie nennt die Menge des Geldes, das unmittelbar als Zahlungsmittel dienen können, die Geldmenge M1. Es handelt sich dabei um Bargeld (jedoch ohne die Kassenbestände der Kreditinstitute) und um die Guthaben (!) bei Kreditinstituten auf Girokonten und auf Tagesgeldkonten. Bei der sogenannten Geldmenge M2 sind außerdem Termingelder und bei der Geldmenge M3 zusätzlich Spargelder hinzugerechnet. Wir bleiben aber mal bei M1. Die Deutsche Bundesbank sammelt die ständigen Meldungen der Kreditinstitute hierzu und veröffentlicht ihr Wissen jeden Monat in ihren "Monatsberichten". Nach dem neuesten "Monatsbericht März 2008" betrug die Geldmenge M1 im Januar 2008 960,6 Mrd. €.
Man könnte zur Ermittlung der mittleren Kaufkraft jetzt zwar mit der Bevölkerungszahl in Deutschland rechnen (zuletzt 82.314.900). Es macht aber wenig Sinn, Säuglinge und Kinder mitzurechnen. Rechnen wir daher lieber mit der Zahl der Haushalte in Deutschland. Die liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland bei 39.767.000. Die Geldmenge geteilt durch die Zahl der Haushalte ergibt somit die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt, sie beträgt danach 24.086 €.
Nun werden Sie einwenden, dass es ja auch Staat, Kommunen und eine Unzahl von Unternehmen (allesamt juristische Personen) gibt, die man nicht einfach unterschlagen könne. Klar gibt es diese juristischen Personen. Aber die gehören ja letztlich irgendwelchen natürlichen Personen, sodass auch das Geld der juristischen Personen letztlich der jeweiligen natürlichen Person gehört — das gilt selbst in Bezug auf Staat und Kommunen. Bei Letzteren ist auch zu bedenken, dass die sich angesichts ihrer erdrückenden Verschuldung ohnehin keine nennenswerten Geldbestände leisten. (Im März 2007 wurde erstmals das "Finanzvermögen des Staatssektors" bekannt gegeben. Vater Staat besaß Ende 2005 ca. 58 Mrd. €, also etwa 1482 € pro Haushalt oder 704 € pro Einwohner, http://www.destatis.de/...p1140061.htm).
Wenn Sie Termin- und Spargelder mitrechnen wollen, dann müssen wir nach der Geldmenge M3 schauen. Die lag im Januar 2008 bei 2.039,3 Mrd. €, sodass der mittlere Betrag pro Haushalt bei 51.281 € liegt.
2. Diese Betrachtung ist aus drei Gründen für die breite Öffentlichkeit ungewohnt.
Zum ersten sind wir es gewohnt, bei der Betrachtung von Arm und Reich, von Mittelschicht, Ober- und Unterschicht usw. nach dem gesamten Vermögen zu schauen und nicht nur auf einen Geldbetrag. Deshalb erscheint ein Betrag von 24.000 € bzw. 51.000 € beim ersten Blick sehr niedrig, beim zweiten Blick, wenn man verstanden hat, dass es nur ein bestimmter, aktueller Geldbetrag ist, aber sehr hoch.
Zum zweiten denken wir bei "durchschnittlichen" Geldbeträgen in der Größe von 24.000 € bzw. 51.000 € schnell an ein Jahreseinkommen (oder Monatseinkommen?), aber nicht an das aktuell vorhandene Geld.
Dies hat - drittens - seinen Grund darin, dass wir normalerweise nicht wissen und nicht ahnen, wie rasant die Geldmenge in den letzten vier, fünf Jahrzehnten in Deutschland gewachsen ist. Intuitiv haben die meisten die Vorstellung, dass die Menge des Geldes gleich bleibt oder dass sie allenfalls an das Sozialprodukt, an die Inflation oder gar an die Bevölkerungszahl angepasst wird. In Wirklichkeit ist die Geldmenge M3 seit der Währungsreform 1948 um durchschnittlich 10% jährlich gewachsen, also viel viel schneller als jedes der vorgenannten Kriterien.
3. Morgen vor 60 Jahren, am 20. Juni 1948, trat das Währungsgesetz in Kraft, wonach "mit Wirkung vom 21. Juni 1948 ... die Deutsche-Mark-Währung" galt (Einzelheiten dazu unter http://www.bundesbank.de/...200203mba_dm_bargeld.pdf). Damals wurden ca. 13 Mrd. DM neues Geld im Sinne von M3 geschaffen. Ludwig Erhard wollte, wie er 1957 schrieb, eine “breitgeschichtete Massenkaufkraft” schaffen, was mit der Währungsreform in jeder Hinsicht eingeleitet wurde.
Heute (nach dem Stand vom Mai 2008) liegt die Geldmenge M3 bei 2.099,619 Mrd. €, wenn man, wie früher üblich, das umlaufende Bargeld mitrechnet (http://www.bundesbank.de/...TXI300 und http://www.bundesbank.de/...TXI303). Das entspricht 4.106,498 Mrd. DM. Von einer “breitgeschichteten Massenkaufkraft” sind wir heute meilenweit entfernt.
Aus den beiden Eckzahlen ergibt sich eine durchschnittliche Steigerung der Geldmenge M3 von knapp über 10% jährlich!
4. Anlässlich der Währungsreform erhielt damals jeder ein "Kopfgeld" von 40 DM und dann noch mal von 20 DM. Mit der Währungsreform wurde eine Geldmenge (im Sinne von M3) von etwa 13 Mrd. DM geschaffen. Die Bevölkerungszahl betrug etwa 51 Mio. Menschen.
Heute liegt M3 wie gesagt bei 2.099,619 Mrd. €. Wenn es 1948 für jeden ein "Kopfgeld" von 40 DM + 20 DM = 60 DM gab, so war das so, als hätte heute jeder ein "Kopfgeld" von 6.003,99 €.
Die Rechnung:
51 Mio. Menschen x 2.099,619 Mrd. € 60 DM x ------------------------------------- = 6.003,99 €13 Mrd. DM x 82,3159 Mio. Menschen
Dies entspricht ungeachtet des Wechsels des Währungszeichens dem Faktor 100! 60 DM damals sind 6000 € heute: Wer damals also 60 DM Bargeld in der Tasche hatte, müsste heute, wenn er richtig gewirtschaftet hätte, 6.000 € Bargeld in der Tasche haben. Oder anders ausgedrückt:
Eine Digitalkamera, die heute z. B. 69,- € kostet, hätte nach dieser Rechnung damals 69 Pfennige gekostet! Ein Auto, das heute 30.000 € kostet, hätte damals 300 DM gekostet!
Umgekehrt gerechnet:
Die “Bruttostundenverdienste aller Arbeiter” lagen im Juni 1948 bei 0,99 DM und im Dezember 1948 bei 1,13 DM (Ludwig Erhard, Wohlstand für alle, 8. Aufl. 1964, S. 33). Hätte die Lohnentwicklung mit der Kaufkraftentwicklung (= Geldmengenwachstum) schrittgehalten, so lägen die Bruttostundenlöhne aller Arbeiter heute bei 99 € bzw. 113 €!
5. Wir sind nun nicht gewohnt, den uns persönlich zur Verfügung stehenden Geldbetrag mit dem der anderen zu vergleichen. Wir vergleichen allenfalls unsere Wohnungen, unsere Fahrräder, Motorräder oder Autos, unsere Kleidung, unsere Kücheneinrichtungen. Wir vergleichen auch unsere "Einkommen". Aber wir vergleichen nicht unsere "Geldbestände". Wir vergleichen sie nicht mit den von anderen und - was dem gleich kommt - nicht mit der gesamten in Deutschland vorhandenen Geldmenge. Daher merken wir von dem enormen Geldmengenwachstum von 10% jährlich nichts, und wir merken nicht, dass, wenn wir unser Einkommen jährlich nicht ebenfalls um 10% steigern, wir gegenüber der Gesamtheit verlieren. Das ist auch deshalb verständlich, weil diese Gesamtheit zu 99% aus Leuten besteht, denen es genauso geht wie uns. Und nur am Rand bemerken wir, dass vielleicht 1% enorme "Geldzuwächse" haben.
Rechenaufgaben:
Wenn die Geldmenge um 10% wächst und 99% der Leute einen Geldmengenzuwachs von nur 1% haben, wie viel Zuwachs hat das restliche Prozent der Leute, wobei unterstellt sei, dass alle am Anfang gleich viel Geld hatten?
Wie ist es, wenn man das Ergebnis der vorigen Rechnung als Geld-Anfangsbestände für eine weitere Berechnung im zweiten Jahr nimmt?
Wie ist es, wenn man diese Rechnung für 60 Jahre (also 60 mal) ausführt, wobei Endbestände der vorangegangenen Rechnung der Anfangsbestand der neuen Rechnung sind?
Lösungen in Tabelle 5 unter http://www.meudalismus.dr-wo.de/geldverteilung.xls
Das Heimtückische ist also, dass wir unseren Verlust an Kaufkraft, also an unserem Anteil an der vorhandenen Geldmenge, nicht bemerken und dass wir deshalb seelenruhig unseren Alltagsgeschäften nachgehen. Preissteigerungen beunruhigen uns und lassen uns aktiv bis rebellisch werden. Lohnerhöhungen lassen Unternehmer aktiv bis rebellisch werden. Aber der Umstand, dass die Geldmenge Jahr für Jahr "an uns vorbei wächst" und unser gewohntes Einkommen deshalb immer weniger gesamtwirtschaftliche Bedeutung hat, beunruhigt uns nicht und macht uns schon gar nicht rebellisch.
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| Editiert am 29.03.2009 18:31:11 von
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| 17.04.2009 17:50: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Ein Artikel über den Zusammenhang von Elite - Bildungseinrichtungen und Meudalismus, Auszug:
Während von normalen Arbeitnehmern bis hin zu den Empfängern von Sozialhilfe immer höhere Leistungen gefordert und solche rigiden Leistungsanforderungen geradezu als Mittel zur Disziplinierung der unteren Sozialschichten benutzt würden, hätte ein Teil der Oberschicht in den letzten Jahren enorme Reichtumsgewinne verzeichnet, die nicht auf eigener Leistung beruhten, sondern auf der historisch einmaligen Situation einer Erbschaftswelle nach einer langen Friedensepoche bzw. auf der Möglichkeit, durch Spekulation und Selbstbereicherung in Führungspositionen zu astronomischen Einkünften zu gelangen, die in keinem Verhältnis mehr zu irgendeiner Form persönlicher Leistung stünden. Neckel spricht hier von „Gelegenheitsökonomie“ als einer Form des Glücksrittertums. Hierdurch sei es zu einer Refeudalisierung der Gesellschaft gekommen, zur Etablierung einer neuen Aristokratie des Geldes, die für sich in Anspruch nehme, Elite zu sein, auch wenn sie nichts geleistet habe.
Quelle: http://www.newsmax.de/hochbegabtenfoerderung-im-eliteinternat-news51914.html
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| 11.05.2009 16:52: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Da habe ich doch gerade mal den Begriff "Neofeudalismus" bei google eigegeben und finde einen vergessenen Beitrag von mir auf dem Querdenkerforum, der unbedingt auf diesen thread hier kopiert gehört:
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Meine persönliche Meinung zum Neofeudalismus: Das ist eine zwangsläufige und ganz natürliche Entwicklung in Gesellschaften, die ungeachtet ihrer Ausgestaltung als neuzeitliche Verfassungsdemokratie mit Gleichheitsgrundsatz und konstitutionellen Mindestanforderungen an die Chanchengleichheit aller Menschen diesen in höchstrangiges Recht gefassten gesellschaftlichen Konsens nicht mehr gegen die Starken, die ihre Pflichten gegenüber den Schwachen nicht erfüllen wollen, durchsetzen können.
Die Sieger des freien Wettbewerbs der Vergangenheit haben ein ganz natürliches Interesse daran, den freien Wettbewerb der Gegenwart zu behindern und den in der Zukunft zu Gunsten ihrer Kinder möglichst zu verhindern. Sie sind ja schon Sieger, der weitere freie Wettbewerb kann ihre Position nur verschlechtern.
Alle Erscheinungen in unserer Gesellschaft, die heute als "Neofeudalismus" bezeichnet werden, sind mithin ein Beleg für grundsätzliche Funktionsmängel der Verfassungsordnung selbst. Das Sozialstaatsprinzip und der Gleichheitsgrundsatz werden nicht hinreichend gegen natürliche Erosionserscheinungen geschützt.
Die Grunderkrankung dieser Gesellschaft ist die Diskrepanz zwischen dem Gesellschaftsentwurf des Grundgesetzes und der gesellschaftlichen Realität. Die berühmte sich ständig weiter öffnende Schere zwischen arm und reich ist nur das augenfälligste von vielen Symptomen der Grunderkrankung. Die Mindestanforderungen des Grundgesetzes werden nicht mit hinreichendem Nachdruck gegen die vorbezeichneten natürlichen Widerstände durchgesetzt.
Das hier angestrebte Verfassungsreferendum ist mithin die einzige denkbare Therapie, die bei der Grunderkrankung ansetzt, anstatt an Symptomen herumzudoktorn.
Dabei ist m. E. all das von höchstrangiger Bedeutung, was die bessere Duchsetzbarkeit der seit jeher bestehenden Anforderungen des Grundgesetzes in gesellschaftliche Realität betrifft. Das sind die Themen "direkte Demokratie", "Gewaltenteilung" und "Entflechtung von Politik und Wirtschaft".
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| 29.05.2009 14:06: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Hier mal eine Super - Lesermeinung bei faz online zum Thema
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E896773BED69B49C49B3060FCE3E30392~AT...
Zunächst ein Zitat von Paul Kirchhoff, dann der Kommentar des Lesers:
| Unser Denken ist verwirrt. Auf Kredit versuchen wir, das Wachstum in Schwung zu bringen, statt die Staatsschulden abzubauen. Unsere Wirtschaftsakteure müssen dringend wieder in die Verantwortung genommen werden. Eigentum kann es nur noch in begrenzter Freiheit geben, meint der Finanzrechtler Paul Kirchhof. |
Kirchhofs Einwände sind ja ehrenwert und im Kern zutreffend, aber nicht mehr zeitgemäß. Die Diagnose ist ja richtig: Was wir jetzt erleben ist nicht die Verstaatlichung der Banken, sondern die Privatisierung der Steuereinnahmen.
Künftig finanzieren wir mit unseren Steuern nicht mehr die Staatsausgaben sondern den Werterhalt der Banken. Soweit so simpel. Aber was folgt jetzt daraus?
Herr Kirchhof ist leider unfähig, diesen notwendigen Prozess, der uns zum Feudalismus zurückführen wird, gebührend zu würdigen und zu begrüßen.
Dabei hat der Feudalismus doch 1000 Jahre lang gezeigt, daß es keine nachhaltigere, stabilere Gesellschaftsordnung gibt als ihn.
"Mehr Feudalismus wagen!" -- Das ist die aktuelle Parole für alle fortschrittlich denkenden Menschen. Damit nach 250 Jahren industrieller und politischer Revolution endlich wieder die NORMALITÄT Einzug hält: Die einen herrschen und prassen und die anderen schuften. Das war schon immer so und alles andere ist linke Spinnerei.
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| Editiert am 31.05.2009 20:35:18 von
AlexRE
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| 31.05.2009 20:37: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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maxikatze schrieb:
Link funktioniert nicht. |
Ich weiss auch nicht, warum der Link nicht funktioniert. Wenn man ihn kopiert und in die Browserleiste einfügt, geht er:
http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E896773BED69B49C49B3060FCE3E30392~ATpl~Ekom~SKom~Ak~E253954.html
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Der Stuttgarter OB Rommel:
Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen. |
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AlexRE (M+)
Alter Hase
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| 28.06.2009 18:15: RE: Moderner Feudalismus (Meudalismus) in Deutschland |  | |
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Das habe ich heute auf politikforen.net zum Themenkomplex "Neofeudalismus" geschrieben....
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henriof9;2960434 schrieb:
Ach ja, wenn Eigentum so verpflichtend ist, warum hat Deutschland dann im Gegensatz zu vielen anderen Staaten so eine geringe Eigenheimquote ?
Ist wohl politisch nicht gewollt, daß die Menschen in D " Vermögen " erwerben ?
http://www.dia-vorsorge.de/downloads/pr000055b.pdf
Nicht nur das Eigentum einen besseren Schutz vor allem in Bezug der Alterabsicherung darstellt, könnte man dann aber wohl kaum mit solchen Schlagworten wie Reichtum und Vermögen argumentieren um die breite Masse, billigerweise, anzusprechen. |
Gut erkannt. In keinem demokratischen Rechtsstaat der Welt ist die Selbstverpflichtung der politischen Klassen, das soziale Element der Marktwirtschaft und die Chancengleichheit zu hegen und zu pflegen, so absolutistisch verfasst wie in Deutschland. Sozialstaatsprinzip und Gleichheitsgrundsatz (gehört zum Rechtsstaatsprinzip) = Artikel 20 GG = Artikel 79 Abs. 3 GG = EWIGES Grundrecht. Eine Ansage wie in stählerne Lettern gegossen....
Und in der Realität hinken sie jämmerlichst den Standards (Vermögensverteilung, Wohnungseigentum, Bildungschancen) der anderen westlichen Demokratien hinterher, deren Verfassungsautoren alle eine weitaus weniger grosse Fresse riskiert haben.
Mich erinnert das ganze Politikerkasperletheater hier zunehmend an das Geschwafel von den Wunderwaffen gegen Ende des 2. Weltkrieges.
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... und das hier auf dem AMP - Forum:
Die neuen Feudalherren haben aber nicht nur im linken Lager eine wachsende Zahl von Gegnern und potentiellen Feinden, wenn sie denn unbedingt Krieg wollen ...
Hier mal ein "gutbürgerlicher" publiziernder Zeitzeuge:
http://www.socialnet.de/rezensionen/2792.php
Sollen sie mal einen Krieg gegen die freien Völker der Welt anfangen, damit sind schon ganz andere Leute auf die grosse Fresse gefallen als ein Mr. Buffet. Die Damen und Herren Milliardäre haben viel zu verlieren...
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Der Stuttgarter OB Rommel:
Ich trete überall, wo das notwendig ist, der Meinung entgegen, der Umstand, dass die Diktatur zu allem fähig war, berechtige dazu, die Demokratie zu allem unfähig zu machen. |
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| Editiert am 28.06.2009 18:22:25 von
AlexRE
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